Gutachterliche Stellungnahme

In Deutschland gibt es rund 7.500 vornehmlich kommunale Bäder. In Zeiten des so genannten „Goldenen Plans“ wurden vor allem in den 70er und 80er Jahren flächendeckend ein Großteil dieser Bäder für den Zweck der sportlichen Nutzung errichtet. Heute – über 30 Jahre später – sind Notwendigkeiten der Sanierung an Bauwerk und Technik meist deutlich sichtbar. Was ist zu tun?

Der Schulsport als kommunale Pflichtaufgabe, der Vereinssport, das öffentliche Schwimmen und Baden und das Erlebnis im Element Wasser gehören zu den so wichtigen, weichen Standortfaktoren, mit denen sich Kommunen gegeneinander abgrenzen. Viele kommunale Entscheidungsträger haben nicht oft über eine Sanierung, Attraktivierung, Modernisierung oder einen Neubau eines Bades zu entscheiden, oftmals steht die Entscheidung zum ersten Mal an. Pro Erhalt und Modernisierung oder pro Neubau? Wie viele Wasserflächen benötigen wir überhaupt? Kann man nicht ein optimiertes, gesamtstädtisches Konzept ausarbeiten? Freibad, Hallenbad, Freizeitbad, Spaßbad, Kombibad, Allwetterbad oder Erlebnisbad – was ist das Beste für unsere Kommune? Sole oder nicht, ist eine Rutsche sinnvoll – wonach fragt der Gast? Sind Sauna und Gastronomie profitabel, gehören sie zum Gesamtkonzept? Umfang der Betriebskosten – sind diese optimierungsfähig? Welche Betreiberform, die Frage nach Investorenlösungen, Privatisierungs- und Finanzierungskonzepten und zuletzt, besteht hierfür eine öffentliche Ausschreibungspflicht? – All dies sind Fragen, die die kommunalen Entscheidungsträger vorab beantworten müssen. Eine Gutachterliche Stellungnahme (GS) löst die Frage des Bauantrages, der Planer entwickelt eine Vorstellung und der kommunale Entscheidungsträger ist alle Sorgen los! Leider ist das so nicht realisierbar. Vielmehr ist die GS ein kommunikativer Prozess. Mit den Vertretern des Architekten, der Kommune und weiteren relevanten Entscheidungsträgern wird zunächst das Ziel der Konzeption gemeinsam entwickelt. Damit untrennbar verbunden sind die Fragen der Ausschreibungspflicht. Hier können Konsequenzen der Zielsetzung beratend aufgezeigt werden. Ist das Ziel und der Weg dahin erläutert, wird man sich über den Ablauf der GS und die zu erwartenden Inhalte verständigen.
Die GS ist kein Ersatz für die Leistungen, die für die Planung in der HOAI beschrieben werden. Die Kosten, die für die GS anfallen, sind in weiten Teilen zusätzlich zu kalkulieren. Betrachtet man jedoch das Investitionsvolumen der Bäderprojekte und vor allem das Einsparpotenzial, das durch eine GS entsteht, so ist eine detaillierte Analyse wirtschaftlich und funktional sehr sinnvoll. Nicht umsonst haben namenhafte Banken und Generalunternehmer auf die Möglichkeiten der Kostenreduktion hingewiesen, die in der Verbindung von Betrieb und Planung liegen. Dieses greift eine Gutachterliche Stellungnahme auf. Die möglichen Szenarien bei Verzicht auf eine GS machen ihren Stellenwert deutlich: Verlust von ein bis zwei Jahren durch nicht Zielgerichtete Diskussionen; oder gar die Errichtung eines Bades, das aufgrund fehlender oder unzureichender Entscheidungshilfen nicht den Nutzerbedürfnissen gerecht wird und langfristig zu einem Budgetloch wird. Die wirtschaftlichen und stadtpolitischen Auswirkungen können gravierend sein.
Wir empfehlen in jedem Fall, solche Szenarien von vornherein durch Schaffung aussagekräftiger Entscheidungsgrundlagen auszuschließen.